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Tu-Thân in der Presse
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Neue Presse November 1998
Freizeit / NP-Hobbytip
"Pizzabewegung" schlägt Angreifer in die Flucht
[Anm.: Tut sie nicht, sie ist primär zur Abwehr gedacht, nicht zum Angriff]
Der Leitspruch von Tu-Thân, einer vietnamesischen Kampfkunst, lautet: "Es ist nicht so schlimm, wenn man nicht trifft. Es ist viel schlimmer, wenn man getroffen wird."
[Anm.: Unser Gründer ist zwar Vietnamese, entwickelt wurde Tu-Thân aber in Deutschland. Unsere Kampfkunst ähnelt am ehesten Kampfkünsten asiatischen Ursprungs.
Nebenbei: "nicht treffen" bezieht sich nur auf eine Notwehrsituation, nicht auf die Ziele unseres Trainings.]
Der Kampf steht nicht im Vordergrund: Übersetzt heißt Tu-Thân soviel wie "sich verbessern".
VON INKEN HÄGERMANN HANNOVER
"Wir wollen unsere geistigen und körperlichen Fähigkeiten so weit wie möglich ausbauen", erklärt Karsten Fuchs (30), der diese friedvolle Variante seit sieben Jahren ausübt.
Der Sport wurde in den 70er Jahren von dem Vietnamesen Nguyen Ngoc-Thach in Stuttgart entwickelt. Seit etwa zehn Jahren wird die asiatische Kampfkunst beim Uni-Sport Hannover angeboten.
Vor vier Jahren gründete sich der erste Verein der Stadt.
"Damit die, die nicht studieren, trotzdem trainieren können", sagt Karsten Fuchs.
Für Tu-Thân braucht man weder Kraft noch eine besondere Geschicklichkeit: "Es gibt keine Übungen, die nicht jeder machen kann" berichtet Ines Thiem (23), seit mehr als drei Jahren dabei.
So trainieren im Verein auch Mitglieder mit Herzfehlern, Knie- oder Rückenschäden.
"Und wenn jemand mit einem Hüftproblem kommt, überlegen wir, wie wir das Training ihren Möglichkeiten anpassen können."
Jeder testet seine Grenzen aus.
Ein "Klassenziel" muß der Sportler aber nicht erreichen.
20 Mitglieder sind in der Gruppe, alle trainieren gemeinsam.
Die asiatische Kunst kommt ohne Gürtel oder andere Leistungsklassen aus.
Damit wirbt der Verein auch: Spaß an der Bewegung ist das Leitmotiv.
Anders als in vielen anderen Kampfsportarten gibt es keine festgelegten Bewegungsabläufe.
"Beim Karate etwa darf man den Faustschlag nur auf bestimmte Art ausführen. Wir probieren, in welchem Rahmen der einzelne die Bewegung durchführt", erzählt Student Karsten Fuchs.
"Ich kann bis heute keine richtige Grätsche, aber das ist egal. Ich versuche sie trotzdem immer wieder."
Anfänger lernen als erstes, Grundelemente wie die "Pizzabewegung".
Bei dieser Bewegung umrunden sich die flachen Hände versetzt voreinander.
Dann probiert man dies entlang der Arme des Trainingspartners aus.
Am Ende kann man damit einen Angriff abwehren.
Ein anderes Element, das Unterschenkelkreisen, ist die Vorstufe zu einer Zug- oder Schubbewegung, mit der der Sportler den Gegner von den Beinen reißen kann.
Beim Tu-Thân lernt man Ausweichen, Rollen, einige Sprünge, aber fast keine Hebefiguren.
"Wir wollen uns dabei schließlich nicht verletzen", sagt Fuchs und lacht.
Das Abrollen wird im Gegensatz zu den meisten anderen Kampfsportarten ohne Matte probiert.
"Dabei merkt man erst einmal, wo es bei einer Rolle wehtut", erklärt Ines Thiem.
"Das wird verändert, bis man die für den Körper beste Art herausfindet, schmerzfrei eine Rolle auf dem Boden zu machen."
Tu-Thân kann zur Verteidigung eingesetzt werden - aber, so Karsten Fuchs: "Unser Sport ist nicht aggressiv, das Training ist nicht auf Kampf ausgerichtet."
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